Daten und Fakten

Betreiber
Das Universitätsklinikum Heidelberg und die RHÖN-KLINIKUM AG sind gemeinsam Gesellschafter der Marburger Ionenstrahl-Therapie Betriebs-Gesellschaft des Universitätsklinikums Heidelberg mit beschränkter Haftung (MIT-Betriebs GmbH)

Postanschrift
Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT)
Albrecht-Kossel-Straße 1
35043 Marburg an der Lahn

Wissenschaftlich-medizinischer Leiter
Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Jürgen Debus

Wissenschaftlich-technischer Leiter
Professor Dr. Thomas Haberer

Baubeginn / Eröffnung
August 2007 / Oktober 2015

Mitarbeiter

Ärzte, Pflegekräfte, Medizinisch-technische Radiologieassistenten, Physiker, Ingenieure und Techniker bilden das zukünftig 65 Mitarbeiter umfassende Team.

Bestrahlungsplätze

  • Drei Horizontalbestrahlungsplätze für die Patientenbehandlung mit dem Rasterscanverfahren
  • Ein Bestrahlungsraum mit festem 45°-Beam.
  • Die Behandlungstische sind robotergesteuert und in sechs Richtungen beweglich, um die optimale Einstrahlrichtung des Therapiestrahls wählen zu können.
  • Deckenmontierte Roboter führen digitale Röntgensysteme, mit der die Position des Patienten vor der Bestrahlung ermittelt wird und automatisch vom Behandlungstisch feinjustiert werden kann.

Eingesetzte Strahlung  
Ionenstrahlung, auch Partikel- oder Teilchenstrahlung genannt. Protonen und Schwerionen sind positiv geladene Atomkerne (Partikel). Protonen sind positiv geladene Kerne von Wasserstoffatomen. Schwerionen sind positiv geladene Kerne von Atomen größerer Masse (im MIT kommen Kohlenstoffionen zum Einsatz). Ionenstrahlung gewährleistet die höchstmögliche Präzision. Schwerionen haben darüber hinaus bei gleicher Dosis eine höhere medizinische Wirksamkeit als die konventionelle Bestrahlung mit Photonen.

Patienten
Von einer Ionentherapie im MIT sollen langfristig rund zehn Prozent der Krebspatienten profitieren, bei denen das Tumorwachstum mit der herkömmlichen Strahlentherapie nicht gestoppt werden kann, weil es technisch unmöglich ist, eine ausreichend hohe Strahlendosis zu verabreichen. Diese Patienten leiden an Tumoren, die

  • tief im Körper liegen,
  • extrem widerstandsfähig gegenüber herkömmlicher Bestrahlung sind,
  • von hoch strahlenempfindlichem gesunden Gewebe umschlossen werden, beispielsweise Sehnerven, Sehbahnkreuzung, Hirnstamm, Rückenmark oder Darm.

Derzeit werden im MIT folgende Tumoren bestrahlt

  • Chordome und Chondrosarkome der Schädelbasis
  • Speicheldrüsenkarzinome (inkl. den adenoidzystischen Karzinomen)
  • Chordome und Chondrosarkome des Beckens
  • kindliche Tumore
  • Gehirntumore / neuroonkologische Tumore
  • Meningeome der Schädelbasis
  • Hypophysenadenome
  • Leberzellkarzinome
  • Inoperable Enddarmkarzinomrezidive
  • Inoperable Knochensarkome
  • Prostatakarzinome
  • Lungenkarzinome (Pancoasttumoren)
  • Pankreaskarzinome
  • Nasenhaupt- und -nebenhöhlentumore

Tumorerkrankungen bei Kindern
Besonders günstig ist der Einsatz von Ionenstrahlen bei bestimmten Krebsarten im Kindesalter. Gerade bei Kindern ist es wichtig, Langzeitnebenwirkungen einer Therapie zu vermeiden. Mit Ionenstrahlen ist es möglich, das gesunde Gewebe maximal zu schonen. So können unter anderem Wachstums- und Entwicklungsdefizite sowie die Entstehung von Zweittumoren vermieden werden.

Kostenübernahme durch die Krankenkassen
Die Behandlungskosten der Behandlung im MIT sind vergleichbar mit den Vergütungen im HIT; diese liegen unter denen komplexer Operationen und innovativer Chemotherapien.
 
Für Tumorpatienten, die nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) von einer solchen Therapie profitieren, wurden betreffend HIT-Vereinbarungen mit den meisten gesetzlichen Krankenkassen geschlossen, für die Marburger Patienten sollen diese Verträge übertragen werden. Für Patienten, die bei anderen Krankenkassen versichert sind, muss zunächst ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden.

Medizinproduktesicherheit
Als Gesundheitseinrichtung nach § 6 MPBetreibV hat MIT einen Beauftragen für Medizinproduktesicherheit benannt. Dieser ist per email erreichbar.

Kapazität
Im MIT werden seit Oktober 2015 Patienten bestrahlt. Bei vollem Betrieb und Ausschöpfung aller Möglichkeiten kann mit der Bestrahlung von 750 Patienten pro Jahr gerechnet werden.

Betriebszeiten
Das MIT ist jeden Tag 24 Stunden in Betrieb. Der erzeugte Strahl wird rund um die Uhr genutzt, entweder therapeutisch oder für Forschungszwecke. Die Patientenbestrahlungen nehmen fünf bis sechs Tage pro Woche in Anspruch, 12 bis 14 Stunden täglich.

Energieverbrauch
Die Beschleuniger sind täglich 24 Stunden in Betrieb und werden im Schichtbetrieb betreut. Das MIT hat eine mittlere Leistungsaufnahme von einem Megawatt, in der Spitze sind es  drei Megawatt - das ist so viel wie eine Kleinstadt mit ca. 3.000 Einwohnern.