schließen× rufen Sie an +49 6221 56-35689

Ablauf einer Bestrahlung

Eine Strahlentherapie kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Therapiestrahl den Tumor zielgenau trifft. Dazu müssen wichtige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Umrisse des Tumors müssen mit höchster Genauigkeit ermittelt werden
  • Der Patient muss während der ganzen Behandlung unter der Strahlenquelle exakt positioniert sein

Bildgebung und Therapieplanung

Vor der Bestrahlung kommt die Therapieplanung; sie beginnt mit der Bildgebung. In den Schichtaufnahmen des Computertomographen (CT) zeichnen Ärzte die Konturen des Tumors ein. Dazu nehmen sie manchmal auch weitere Bildgebungsverfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zu Hilfe. Am MIT werden in der Regel die Planung-CTs erstellt; andere Bildgebungsverfahren werden z.B. am Uniklinikum Gießen und Marburg durchgeführt. Dann geben die Ärzte vor, welche Dosis im Tumor erreicht werden soll und welche Dosis im umliegenden Gewebe nicht überschritten werden darf. Zusätzlich wird vorgegeben an wie vielen Tagen bestrahlt werden soll.

Aus diesen Vorgaben erstellen Medizinphysiker mit Hilfe eines komplexen Computerprogramms einen Bestrahlungsplan. Man nennt diesen Vorgang „Dreidimensionale Computerunterstützte Strahlentherapie-Planung“.

Computertomograph mit Robotertisch
Strahlentherapie-Planung
3-Dimensionale Dosisverteilung im Tumorvolumen

Lagerung

Während der Bestrahlung liegen die Patienten meist mit dem Rücken auf dem Behandlungstisch. Der roboterbasierte Tisch ist sehr beweglich und kann alle Positionen und Drehungen zuverlässig anfahren.

Eine Herausforderung ist, dass der Patient bei der Planung und während jeder Therapiesitzung möglichst am selben Ort auf dem Tisch liegt. Das ist nur zu erreichen, wenn mit sogenannten Lagerungshilfen gearbeitet wird. Je nach Ort des Tumors sind das zum Beispiel individuell angepasste Gesichtsmasken oder Vakuummatratzen oder standardisierte Lagerungshilfen wie zum Beispiel Kopfstützen.

Regelmäßig wird die Lagerung vor der Behandlung auch noch mit Röntgenbildgebung geprüft. Der an der Decke hängende Roboter bringt dazu ein Röntgensystem zum Patienten und es werden aus zwei Richtungen Aufnahmen gemacht, die gegen das Planungs-CT verglichen werden. So kann geprüft werden, ob auch die inneren Bereiche des Körpers am richtigen Ort sind.

Bestrahlung

Im MIT verfügen drei Behandlungsräume über eine horizontal-fixierte Strahlrichtung, am vierten Bestrahlungsplatz tritt der Therapiestrahl unter 45 Grad von schräg oben in den Patienten ein und ermöglicht in besonders schwierigen klinischen Konstellationen die erforderliche Normalgewebsschonung.

Während der Bestrahlung prüfen fünf Detektoren andauernd die Genauigkeit der Bestrahlung. Zwei der Detektoren messen dabei den Ort des Strahls, während dieser von einem Punkt zu nächsten wandert. Die drei anderen Detektoren achten auf die Dosis und sorgen für die Weiterschaltung auf den nächsten Punkt, wenn die Solldosis erreicht ist. Typischerweise dauert die Bestrahlung eines einzelnen Punktes eine Hundertstelsekunde.

Während der Bestrahlung spürt der Patient typischerweise den Strahl nicht. Eine Therapiesitzung dauert je nach Komplexität des Plans und Größe des Tumors eine halbe Stunde. Davon sind nur zehn Minuten reine Bestrahlungszeit.

Bis zu 40 Einzelbestrahlungen

Das entscheidende Ereignis, das zum Tod einer Zelle führt, ist die Zerstörung ihres Erbguts (DNA). Dann teilt sich die Zelle nicht mehr und stirbt. Der Tumor wächst nicht mehr weiter. Der Therapiestrahl muss die DNA jeder einzelnen Krebszelle irreparabel auseinander schlagen. Das gelingt nicht immer beim ersten Mal, daher sind mehrere aufeinander folgende Bestrahlungen notwendig. Die Bestrahlungspausen werden so gewählt, dass sich mitbestrahltes gesundes Gewebe erholen und seine Strahlenschäden reparieren kann. Krebszellen schaffen das nicht so schnell. Daher addieren sich im Tumor die Strahlenschäden der einzelnen Bestrahlungen und zerstören ihn schließlich.

Die gesamte Bestrahlung besteht aus durchschnittlich 20 Einzelbestrahlungen. Mehrere Wochen nach den Bestrahlungen kontrollieren die Ärzte mit CT oder MRT, ob der Tumor kleiner geworden oder sogar ganz verschwunden ist.